Hacktour 2/26: ASC
Am 12. Juni 2026 durfte eine kleine Gruppe im Rahmen einer Hacktour die Supercomputer von ASC (Austrian Scientific Computing) besichtigen. Austrian Scientific Computing (ASC) – früher bekannt als Vienna Scientific Cluster (VSC) – ist eine Zusammenarbeit von mehreren österreichischen Universitäten, die Supercomputer-Ressourcen und technischen Support für ihre Nutzer*innen bereitstellen.
Im Eingangsbereich des TU-Gebäudes im Arsenal, das die Supercomputer beherbergt, erzählen uns Valentin und Elias über Infrastruktur und Management. Als Universitätseinrichtung ist es wichtig, für möglichst wenig Geld möglichst viel Leistung zu erzielen. Die Hauptkostenfaktoren sind dabei Hardware und Strom, der auch zur Kühlung erforderlich ist. Die in den letzten Monaten massiv gestiegenen Hardwarepreise sind auch für ASC ein Problem.
Organisation
Der Cluster von Austrian Scientific Computing kann von Universitäten in ganz Österreich genutzt werden. Früher gab es viele kleine Rechencluster von einzelnen Abteilungen bzw. Instituten. ASC entstand aus dem Bedarf für mehr Rechenleistung, den jedoch jeweils einzelne Organisationen nicht finanzieren hätten können. Erst durch den Zusammenschluss wurde es möglich, die enormen Kosten für Anschaffung und Betrieb der Supercomputer zu finanzieren.
Heute werken am ASC etwa 2.000 aktive User:innen an mehreren hundert Projekten. Eine Liste an Publikationen ist auf der ASC-Webseite verfügbar. Die Auslastung beträgt fast immer 100 Prozent. Für Institute – wie zuletzt für das Institute für Science and Technology (ISTA) – gibt es die Möglichkeit, sich mit eigener Hardware im Rechenzentrum einzukaufen. Diese wird dann im Rahmen des Clusters allen zur Verfügung gestellt, wenn sie gerade ungenutzt ist.
Technologie
Die Cluster im ASC werden mit einer 45°C-Warmwasserkühlung auf Temperatur gehalten. Eine Nutzung der Abwärme ist leider schwierig. Technologisch wären Investitionen nötig, für die das Geld fehlt, regulatorisch ist es kompliziert.
Wir besuchen die aktuellen Cluster-Systeme:
MUSICA („multi site computer austria“) ist ein verteiltes System auf Wien, Linz, Innsbruck. Resilienz ist das zentrale Argument für ein verteiltes System. Bei einem Ausfall an einem Standort funktioniert das Gesamtsystem immer noch. Das Kühlsystem für MUSICA steht draußen im Hof in einem eigenen Gebäude. Die Serverräume sind mit Gaslöschanlagen gegen Feuer geschützt. Die Gaslöschung sorgt dafür, dass ein Brand schnell gelöscht wird, indem der Luftsauerstoff verdrängt wird und keine Schäden an den Geräten und der Verkabelung entstehen (außer den Schäden an den direkt vom Feuer betroffenen Geräten).
Ein einzelnes Rack wiegt etwa 1,5 Tonnen. Im MUSICA-Raum hängt ein Spender für Ohrstöpsel, da die Lüfter großen Lärm machen, wodurch eine Unterhaltung im Raum nahezu unmöglich ist.
Die Clustersysteme brauchen viel Wartung. „Wasseraustritt ist sehr selten, kann aber vorkommen”, sagen Valentin und Elias. Die Kabel sind spritzwassergeschützt, um bei einem Wasseraustritt den Schaden möglichst gering zu halten. Geschmolzene Stecker, ein gerissener Temperaturfühler mit Wasseraustritt, geschmolzene Kupferkabel – alles schon passiert. Besonders wichtig ist die Funktionalität des Kühlsystems: Wenn die Kühlung ausfällt, überhitzen die Cluster binnen Sekunden.
Nutzung
Die Supercomputer werden von verschiedenen Fachbereichen genutzt: physikalische Simulationen (zB Astronomie) oder Materialsimulationen, Biochemie, Reaktionen, und seit einigen Jahren natürlich auch KI.
Klassisch werden die Computer mittels SSH-Zugang und Batch Scheduling genutzt. Mittlerweile mit KI wollen die Nutzer:innen mehr interaktive Jobs.
Viele Anwender:innen schreiben ihre Programme selbst, es gibt dafür auch öffentliches Kursprogramm. Damit soll im Cluster eine möglichst effiziente Nutzung gefördert werden. Bei der Größe der Jobs kann eine gute Software-Architektur und -Optimierung mehrere Tage Laufzeit Unterschied bedeuten. Nachdem die Cluster nahezu immer zu 100 Prozent ausgelastet sind, bedeutet das, dass in der selben Zeit mehr Projekte durchgeführt werden können, wenn die Software effizienter programmiert ist.
Wir bedanken uns herzlich bei Valentin und Elias für die ausführliche Führung und die Beantwortung all unserer Fragen!
Fotos von MacLemon und Columbia für Hacktours. Für Text, Fotos und Recherche wurde keinerlei künstliche Intelligenz eingesetzt.





