Hacktour 3/26: Waldviertler Mohnhof
Bernhard Greßl erzählt mit sichtlicher Leidenschaft vom Mohnanbau am Waldviertler Mohnhof. Gesät wird im März, wichtig ist dabei traditionell der Tag der heiligen Gertraud am 17. März. Die Saatmenge beträgt heute weniger als ein Kilo Samen auf einen Hektar. Früher wurden die Mohnsamen per Hand zwischen Rüben oder Karottensamen angesät. Damals war das reine Frauenarbeit, nahezu jede Bäuerin baute Mohn für den Eigenbedarf an. Lange davor wurde Mohn bereits in den Waldviertler Klöstern als Heil- und Betäubungsmittel verwendet.
Nur alle vier Jahre wird Mohn auf einem Feld angebaut, eine abwechslungsreiche Fruchtfolge ist wichtig. Von Anfang bis Mitte Juni blüht dann der Mohn auf den Waldviertler Feldern. Auf den sandigen Granitböden, die leicht durchlässig sind, wächst die Ölfrucht Mohn besonders gut. Bernhard Greßl betont: „Je karger der Boden ist, umso reiner ist das Aroma.“ Das macht die Waldviertler Mohnprodukte so besonders. Das sonnige Klima und der intensive Morgentau im Waldviertel tragen ebenfalls zur Qualität des Mohnanbaus bei.
Im Waldviertel wird zu 80 Prozent Graumohn angebaut. Er wird unter anderem für die traditionellen Speisen wie Mohnzelten verwendet. Blaumohn hat einen bitteren Geschmack und wird hauptsächlich auf die Weckerl (geflochtene Mohnstrietzerl, die in Oberösterreich Mohnflesserl genannt werden) gestreut. Weissmohn wiederum hat ein mehr nussiges Aroma und wird daher zum Backen verwendet, wie zum Beispiel für Mohnstrudel. Die Befruchtung von Mohn erfolgt durch Fremd- und Selbstbestäubung. Insekten sind daher sehr wichtig für die Mohnproduktion, da durch gleichzeitige Bestäubung durch Insekten der Ertrag steigt.
Graumohn wird auch Schüttmohn oder „sehender Mohn“ genannt. Eine reife Mohnkapsel enthält drei bis fünf Gramm Samen (etwa einen Esslöffel). Fünf Gramm Samen bedeutet mehrere Tausend Samenkörner. Beim Graumohn können die Samen durch viele Löcher, die sich rund um die Krone am oberen Ende der Kapsel befinden, heraus geschüttelt werden. Blaumohn und Weissmohn haben keine Löcher in der Kapsel, hier werden mit einem speziellen Dreschgerät die Kapseln sanft gequetscht, um die Samen herauszuholen. In der Mitte des Mohnmuseums zeigt eine begehbare Mohnkapsel die nierenförmige Form der Samen und die verschiedenen Reifegrade.
Am Waldviertler Mohnhof wird Mohn zu verschiedensten Produkten verarbeitet. Mohnsamen können im Päckchen gekauft werden, sie müssen jedoch für die Verwendung in Mehlspeisen noch mittels einer Mohnmühle gequetscht werden. Bereits gequetschter Mohn muss binnen vier bis fünf Tagen verarbeitet oder tief gefroren werden. Ein wichtiges Produkt ist auch das Mohnöl, das wir später verkosten dürfen. In den verschiedenen Mohnöl-Sorten können wir die oben erwähnten verschiedenen Aromen nachvollziehen.
Das Mohnöl wird in schonender Kaltpressung hergestellt. Aus vier Kilo Samen wird ein Liter Mohnöl gewonnen. Es werden immer nur kleine Mengen nach Bedarf gepresst. Bernhard Greßl betont, dass Lichtschutz für die Haltbarkeit des Öls besonders wichtig ist: „Nie aufs Fensterbrett stellen!“ Das Öl soll auch kalt verwendet, also nicht erhitzt werden. Als Marinade auf Blattsalat oder Tomaten und Mozzarella eignet sich das Mohnöl ausgezeichnet. Am Waldviertler Mohnhof werden auch Seifen und andere Kosmetikprodukte mit Mohnöl hergestellt (Onlineshop).
Neben den vielen selbst hergestellten Produkten liefert der Waldviertler Mohnhof auch an Eishersteller:innen wie zB die Eis-Greissler. Es wird bewusst nachhaltig gearbeitet, die getrockneten Mohnkapseln werden an Bastel- und Floristengeschäfte weiter verkauft zB für Gestecke für Allerheiligen.
In seinem Museum präsentiert Bernhard Greßl eine umfangreiche Sammlung an Mohnmühlen. Die Älteste ist etwa 130 Jahre alt. Die Mohnmühlen gehen auf die Biedermeierzeit zurück. Auf den Waldviertler Höfen wurde Mohn traditionell in hölzernen Mohnmörsern gestampft. Auch Steinvorrichtungen zur Mohnverarbeitung sind im Mohnmuseum zu sehen.
Auf unsere Nachfrage erklärt Bernhard Greßl, dass es dieses Jahr wegen Trockenheit im Mai und Hitze im Juni und Juli um ein Drittel weniger Ertrag gab. In den vielen tropischen Nächten gab es auch im Waldviertel keinen Morgentau, der für die Entwicklung der Mohnpflanzen wichtig ist. Ein weiteres Hitze-Jahr wäre auch für den Mohnanbau im Waldviertel fatal. Nach dem Suchtmittelpotential gefragt, winkt Bernhard Greßl ab. Die in Österreich zum Anbau freigegebenen Sorten enthalten nur geringste Mengen des Stoffes, der zur Opiumherstellung verwendet werden kann. Als Arzneimittel hat Mohn heute keine Bedeutung mehr.
Wir bedanken uns bei Bernhard Greßl für die spannende Einführung in den Mohnanbau!



